Es geht hier immer zuerst um Wissen und nicht um Profit
Promotion am Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften

Hier ist eine Begeisterung zu spüren ist, die mitreißt und es mir ermöglicht, mich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen.
Jörn Wollenzin
In der Mitte meines Berufslebens stelle ich fest: Ich habe Erfahrung, einen guten Job, es geht mir gut. Aber ich will mehr! Vielleicht auch was Anderes? Daher habe ich an der Technischen Hochschule Lübeck eine Industriepromotion begonnen. Nun forsche ich bei Prof. Dr. Kai Seger in Kooperation mit Prof. Dr. Robert Huber von der Universität zu Lübeck – und habe zugleich meinen Arbeitsplatz in meiner Firma, der Thorlabs GmbH, behalten. Anstrengend – aber sehr, sehr erfüllend!
Bildgebendes Verfahren, dass Optik mit Signalverarbeitung kombiniert
Bereits während meines Studiums an der Fachhochschule Kiel habe ich mich für Lasertechnik begeistert: Es ist komplex und es kommt am Ende etwas Greifbares raus. Meine Diplomarbeit schrieb ich 2001 bei Spectra-Physics in Kalifornien. Ich blieb dort drei Jahre als Projektmanager für Laserentwicklung und wechselte dann 2005 zur Coherent GmbH nach Lübeck. 2010 ergab sich eine interessante Perspektive hier auf dem Campus Lübeck. Die Wege sind ja kurz, man trifft sich, tauscht sich aus. Ein junges Unternehmen, das dann in die Thorlabs GmbH aufgenommen wurde, suchte einen neuen Leiter für eine spannende neue Technologie, der optischen Kohärenztomographie (OCT). Ein bildgebendes Verfahren, das Optik mit Signalverarbeitung kombiniert, um hoch aufgelöste Bildgebung zu ermöglichen. Es wird in vielen Bereichen der Medizintechnik und der Augenheilkunde verwendet, aber auch im technischen Bereich oder in der kardiovaskulären Bildgebung. Das war eine großartige Zeit!
Neue Herausforderung in der Mitte des Lebens gesucht
Aber irgendwann fragte ich mich: War das schon alles? Da war ich 45, also in der Mitte des Lebens. Ich mochte meinen Job, aber ich ging manchmal nicht mehr zufrieden nach Hause. In meiner Managementposition hatte ich immer weniger Kontakt zu den Mitarbeitenden. Zudem wollte ich meinen Horizont und auch meine Karrieremöglichkeiten erweitern, mehr knobeln, Neues ausprobieren. Mir wurde klar: Wichtig war mir nicht Karriere und mehr Geld, sondern die Interaktion mit Menschen und die Herausforderung, schwierige Fragestellungen zu lösen. Das macht mich glücklich! Meine Firma war zudem auch an Forschungsthemen interessiert. Hier an der TH Lübeck beschäftigt sich Prof. Kai Kai Seger (im Rahmen der Forschungsgruppe LIMESOPTIA mit Lithographisch hergestellten Optiken für industrielle Anwendungen) mit Lasertechnik – das passte gut zu meinen Interessen und den Bedürfnissen meiner Firma. Wir verhandelten eine Industriepromotion, und ich begann hier 2022 an meiner Forschungsarbeit.
Industriepromotion über optisch gepumpte Membranlaser
Jetzt beschäftige ich mich mit optisch gepumpten Membranlasern, die mit Hilfe nichtlinearer Prozesse sehr schmalbandige und rauscharme Emission im sichtbaren Spektrum ermöglichen. Die Technologie der Membranlaser, deren Kernelement aus Quantenfilmen und einem Siliziumkarbid-Träger besteht, ist ein junges Gebiet der Lasertechnik mit großem Potential zur Skalierung in kommerziellen und wissenschaftlichen Anwendungen. Ich untersuche das thermische Verhalten dieser Kernelemente bezüglich optischer Verzerrungen, und analysierte das Zeitverhalten dieser Strukturen bei Veränderung der optischen Anregung. Hierzu wurde ein Finite-Elemente-Modell der Struktur erstellt und im Abgleich mit experimentellen Ergebnissen verbessert. Die theoretischen und experimentellen Ergebnisse ermöglichten die Realisierung eines fein durchstimmbaren Lasers, der zur Kühlung ultrakalter Atome geeignet ist.
Starkes Wir-Gefühl an der TH Lübeck
Ich bin für die Zeit der Promotion zu Teilen von der Arbeit freigestellt, arbeite also abwechselnd in meiner Firma und an der Promotion. Eine gewinnbringende Situation für alle Beteiligten: Die Firma und die Hochschule gewinnen Ergebnisse in der anwendungsorientierten Forschung, ich entwickle mich weiter, knüpfe Kontakte zu den Fachkräften von morgen. Hier ist eine Begeisterung zu spüren ist, die mitreißt und es mir ermöglicht, mich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Alle hier versuchen sich zu gegenseitig in der fachlichen Gesamtheit zu unterstützen. Das Wir-Gefühl ist sehr stark.
Ich habe hier die Freiheit, mich mit Dingen zu beschäftigen, die nicht direkt zu einem wirtschaftlichen Erfolg führen müssen. Es geht hier immer zuerst um Wissen und nicht um Profit. Die Herausforderung einer Promotion ist, dass man Teil eines Teams ist und sich trotzdem allein durchkämpfen muss, weil man allein den roten Faden in der Hand hält. Man braucht ein hohes Maß an intrinsischer Eigenmotivation, vor allem für das Verfassen der Arbeit. Physik und Sprache keine natürliche Passung. Aber es bereichert mich, macht Spaß – und am Ende werde ich stolz darauf sein.

Jörn Wollenzin
Promotion an der TH Lübeck am Fachbereich Elektrotechnik und Informatik zum Thema Harmonic Light from Membrane Resonators.